Holznutzungspotenziale im Schweizer Wald

Auswertung von Nutzungsszenarien und Waldwachstumsentwicklung

Die Nachfrage nach dem einheimischen und nachwachsenden Rohstoff Holz ist stark gestiegen. Auch der langfristige Trend zeigt eindeutig in Richtung eines erhöhten Holzbedarfs. Anhand von vier denkbaren Szenarien zum effektiv verfügbaren Holzpotenzial wird die Frage beleuchtet, wie viel Holz der Schweizer Wald nachhaltig zur Verfügung stellen kann.

Holznutzungspotenziale im Schweizer Wald

Die deutlich gesteigerte Nachfrage nach dem Rohstoff Holz hat das Bedürfnis nach fundierten Datengrundlagen zum Nutzungspotenzial im Schweizer Wald erhöht. Auf der Basis des dritten Landesforstinventars und gestützt auf Modellrechnungen wurden vier denkbare Szenarien zum effektiv verfügbaren Holzpotenzial entwickelt. Die Resultate sollen helfen, in der waldpolitischen Diskussion langfristige Strategien festzulegen.

Die Berechnungen gehen von folgenden vier Szenarien aus: Basis (konstante Vorratshaltung), Zuwachs (Fokus auf langfristig hohem Zuwachs), Kyoto (Ausnützung der anrechenbaren Kohlenstoffsenken im Wald) und grosse Nachfrage (Nutzung, welche während 20 Jahre deutlich über dem Zuwachs liegt). Gerechnet wird das Nutzungspotenzial in Dekaden für die nächsten 30 Jahre (2007–2036).

Die wichtigsten Ergebnisse sind wie folgt: Die Szenarien „Basis“ und „Zuwachs“ sind im Zeitraum von 100 Jahren bezüglich des insgesamt verfügbaren Nutzungspotenzials in etwa gleichwertig. Allerdings liefert Szenario „Basis“ im zeitlichen Verlauf ausgeglichenere Holzmengen als Szenario „Zuwachs“. Das Szenario „Kyoto“ hat das tiefste Nutzungspotenzial. Würden die Vorräte ab 2037 unter 400 m³/ha gehalten, ergäbe dies allerdings eine deutliche Reduktion der Differenzen gegenüber den anderen Szenarien. Das Szenario „grosse Nachfrage“ weist grosse Schwankungen auf. Das Potenzial sinkt in der Periode 2047–2056 auf weniger als 50% des Potenzials der ersten 20 Jahre. Zudem stellt sich die Frage, ob die restriktive Nutzungspolitik nach 20 Jahren durchgesetzt werden kann. Das Szenario zeigt aber auch, dass die erhöhte Nutzung während 20 Jahren den Wald nicht schädigt.

In der Periode 2007–2036 weichen die Potenziale je nach Szenario markant voneinander ab, und zwar zwischen 6,7 und 10,3 Mio. m³ pro Jahr. Unter der Annahme, dass anschliessend die Eingriffe einheitlich erfolgen, wird langfristig (100 Jahre) wieder eine Tendenz zur Annäherung der Szenarien festgestellt. Vorräte, Zuwachs und Nutzungsmöglichkeiten verschieben sich je nach Szenario teilweise erheblich vom Nadel- zum Laubholz. Das nachhaltig verfügbare Nutzungspotenzial liegt vor allem im Mittelland, in den Voralpen und im Jura.


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Letzte Änderung 16.09.2015